Cleo Rahlstedt (1969-1975)

 

Der Künstlerdienst vom Arbeitsamt in Hannover vermittelte Vossi 1969  nach Hamburg-Rahlstedt in den Tanzclub  Cleopatra. Vossi, moderierte, sang, balancierte Singles auf seiner Nase  und tanzte mit einer unglaublichen Energie durch die Nacht. Gelegentlich trat er auch mit seiner wenig erfolgreichen Band „Big Voss and his Rollers“ auf.  Er lebte das Gefühl von „My Generation“ (The Who) bis das „Cleo“ 1975 abbrannte. Viele Diskotheken in dieser Zeit endeten  durch einen  „Warmer Abbruch“.

Das „Cleo“ hatte nur dienstags geschlossen. Alle anderen Tage war es geöffnet bis die letzten Gäste gingen. Wenn der „Tanzclub“ öffnete hatte sich meist schon eine Schlange vor der Tür gebildet und der Laden mit den zwei Tanzflächen und der Eingangskontrolle mit Ausweisabgabepflicht für die unter 18-jährigen blieb bis in die späten Nachtstunden gerammelt voll. Am Sonnabend und Sonntag gab es zusätzlich Teenie-Veranstaltungen  am Nachmittag. Sonntagsmorgens ging es nach Feierabend mit den letzten Gästen zum Fischmarkt oder nach Timmendorf an die Ostsee. Es war die Zeit der Equals, der Bubble Gum Music, des  aufkommenden Hardrocks, des Jägermeisters und der Schlägereien, die meist durch den Rausschmeißer beendet wurden, der  den Titel Geschäftsführer trug. Es gab Flaschenbier und Baccardi-Cola, oft gleich in ganzen Flaschen.

Als Gage gab es für Dj. Big Voss, der auch zeitweilig den Namen  Uwe van da Vohs annahm, monatlich 890 DM netto und eine Bude unter dem Dach mit Toilette und Gemeinschafts-Münzdusche auf dem Flur. Das Zimmer tapezierte der Dj. mit Alu-Haushaltsfolie. Aus Platzmangel zimmerte ihm ein Freund das Bett unter die Zimmerdecke, wo es über eine Leiter erreichbar war. Jedes Getränk wurde dem Discjockey von Frau Lange, der aufmerksamen älteren  Kollegin mit weißem Pudel in der Getränkeausgab,e mit einer Mark berechnet. Da blieb am Monatsende  wenig übrig. Das musste für den  grünen Carman Ghia mit dem 30 PS-Motor und den Tesafix-Beklebungen über den Roststellen  reichen.

Im Cleo veranstaltete Vossi die ersten Themen-Partys (Oktoberfest, Beach-Party). Für  Donnerstag und Sonntag ließ sich Vossi Gewinnspiele einfallen (Wahl der Miss Müllsack, Schuhe sammeln). Diese Aktionen wurden von nachfolgenden Discjockey-Generationen gern kopiert.

Der Händler, der die Disco mit Platten versorgte, schleppte eines Abends Blues Daddy Alexis Corner, den  legendären Lehrmeister der Rolling Stones und anderer Stars der Beat-Ära  für ein Interview mit Vossi an. Gastspiele waren sonst selten.

Casey Jones & the Governers traten hier auf. Seinen Hit „Don’t HaHa“ kriegte der Sänger noch gerade so hin, als er endlich die  Bühne gefunden hatte. Für seine .Jack the Ripper“ – Show war er zu betrunken. Eher selten besuchten Schauspieler vom in der Nähegelegenen Studio Hamburg den ziemlich berüchtigten und  sehr rustikalen Schuppen. Das Gros der Gäste bildeten Bundeswehrsoldaten, Handwerksgesellen und Auszubildende (damals Lehrlinge).

Es war eine verrückte Zeit im Cleo mit dem  neunzigjährigen Knecht Walter, einem alten Zirkusartisten, der im Cleo Feuer spuckte und Rutschenteddy, der auf der Bühne „nackelig“ in der Badewanne sang.