Coronakrise – Rettet die Dorfkneipen

Coronakrise – Rettet die Dorfkneipen

Rettet die Dorfkneipen VII – Hingehen

Basses Blatt zu „Rettet die Dorfkneipen“
Ausgabe vom 31. Juli 202

 

Rettet die Dorfkneipen VI

Rettungsaktion und Himmelfahrtsservice für die NahBar

Nahe – Eine privat organisierte Crowfundingaktion  hat bereits innerhalb von 3 Tagen über  3.000 Euro von Gästen, Freunden, benachbarten Gastronomiefamilien und einer Naher Herrenhandballmannschaft für die NahBar an der B432 in Nahe erbracht. Chefin Melli Wellendorf ist mit ihrem sonst gut laufenden Treffpunkt in der Coronakrise in finanzielle Schieflage geraten. Wegen des schmalen, sehr langen Barbereichs ohne 1,50 Meter Abstandsmöglichkeit  will die besonders bei jungen Menschen beliebte Betreiberin aus Eigenverantwortung ihren „Treffpunkt mit Herz“ für ihre Gäste unter den aktuellen Bedingungen nicht öffnen.

Eine Ausnahme bildet ein origineller  Außer-Haus-Verkauf am Mittwoch vor Himmelfahrt von 18-21 Uhr. Es gibt als Paket für 10 Euro Schinken- oder Salami-Pizza sowie wahlweise Flammkuchen mit Speck und Zwiebel plus 2 Flaschen Bier (Becks GreenLemon/Ice/Gold oder Carlsberg9). Die NahBar Spezialität, eine frisch gemixte 1 Liter Flasche Mexikaner gibt es vor der NahBar für 15 Euro. Der Bar-Innenraum ist nicht geöffnet.

Melanie (Melli) Wellendorf bittet um Voranmeldung und Uhrzeit zur Abholung per WhatsApp unter 01737495050 oder via Facebook Messenger. Vor Ort ohne Voranmeldung: Nur so lange der Vorrat reicht

Getränke und Speisen dürfen nur abgeholt werden. Kein Verzehr vor Ort. Bitte den Mindestabstand von 1,5 m und die Maskenpflicht bei Übergabe einhalten. Parken ist neben der Bar oder gegenüber beim Sportverein möglich.

Die Rettungsaktion mit dem Ziel von 15.000 Euro ist hier erreichbar:

https://www.gofundme.com/f/rettet-die-nahbar?utm_source=customer&utm_medium=copy_link-tip&utm_campaign=p_cp+share-sheet


Rettet die Dorfkneipen V
Das anonyme Schreiben gegen einen Gartenbetrieb von Juhls Gasthof

Virologe Drosten fordert heute in den Lübecker Nachrichten mehr Außengastronomie wegen Corona
Das Coronavirus wird vor allem durch die Atemluft übertragen, sagen Wissenschaftler. Der Berliner Virologe Christian Drosten fordert daher, Städte und Gemeinden sollten ihnen Bürgersteige und freie Flächen unbürokratisch und kostenfrei zur Verfügung stellen.

Für Bad Segebergs Segebergs Gastronomie erlaubt das Ordnungsamt mehr Außenfläche wegen der Coronakrise. In Bad Bramstedt wird diskutiert, die Gebühr für die Nutzung öffentlicher Straßen und Plätze für die Gastronomie auszusetzen um durch Corona gebeutelten Wirten zu helfen.

Anders in Itzstedt. Hier wird mit einem anonymen Schreiben gegen die Betreiberfamilie von „Juhls Gasthof“ polemisiert, die um das Überleben ihres Betriebes kämpft.

Das anonyme Schreiben


Rettet die Dorfkneipen IV
Rettungsaktion für die NahBar

Eine privat organisierte Crowfounding/Aktion hat bereits innerhalb weniger Stunden über  3.000 Euro erbracht. Bitte helfen Sie durch Ihren Beitrag mit, diesen Treffpunkt für junge Menschen in Nahe zu erhalten. Zur Spendenaktion geht es hier.

Der Hilferuf von Melli Wellendorf und ihrem Team auf Facebook.

Hallo Ihr lieben,

es fällt mir nicht leicht und wir haben alle zusammen viel hin und her überlegt und alles versucht um Lösungen zu finden.

Die Corona Krise hat uns leider wirklich schwer getroffen, schwerer als mancher vielleicht annehmen würde…

Ich würde Euch das gerne auf eine ehrliche Weise darlegen, ohne das spekuliert werden muss , warum ich ab Montag nicht einfach wiedereröffnen kann.

Es sieht in den Medien vielleicht alles relativ einfach aus, aber Förderungen, Kredite oder andere Unterstützungen in der Corona Krise zu bekommen ist alles andere als einfach. Wobei ich hier nur für unsere Branche sprechen kann.

Ausser der Sofort-Hilfe (die dann zum Glück doch noch kam), wurde uns alles verwehrt, so dass wir nicht einmal die laufenden Kosten seit März ganz decken konnten. Miete, Strom, Versicherungen, rückwirkende Steuern, zig weitere Gebühren und, und, und… müssen ganz normal weiter bezahlt werden und das was gestundet werden konnte, muss jetzt auch irgendwie wieder zurück gezahlt werden, ohne Einnahmen zu haben.

Dazu kommen noch wichtige Reparaturen und Neuanschaffungen die dieses Jahr noch hätten durchgeführt werden müssen um den laufenden Betrieb zu gewährleisten und für die entsprechende mögliche Rücklagen jetzt aufgebraucht wurden oder bisher gar nicht erst geschaffen werden konnten. Hier trifft uns auch der Ausfall des Schleswig-Holsteins-Cups persönlich sehr.

Von unseren Einnahmen finanzieren wir nicht nur die Bar selbst und Gehälter etc. dazu gehören auch Reparaturen, Wartungen, Aus/Umbaumassnahmen oder Erweiterungen wie Unterhaltungsmöglichkeiten und Angebote für alle.

Aktuell musste ich unser komplettes Team entlassen, also die Menschen die unsere NahBar auch mit aufgebaut haben und ausmachen, nur um alle Kosten auf das vorgegebene Minimum einzuschränken.
Natürlich versuche ich alle wieder zurück zu holen, aber ohne Einnahmen kann ich nicht einkaufen, um Geld zu verdienen und damit kann ich auch keine Gehälter bezahlen oder Anstellungen vornehmen.

Unter den aktuellen Auflagen , macht eine Wiedereröffnung gerade kaum bis gar keinen Sinn, weder finanziell, noch unter diesen Vorraussetzungen für unsere Gäste.

Wir sind ein Treffpunkt um soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, es wird Musik gehört, getanzt, Geburtstage oder sonstige besonderen Tage mit Freunden und Familie gefeiert, sich mit verschiedensten Menschen unterhalten und ausgetauscht, Billard und Darts gespielt oder gekickert. Alles Dinge, die nun gar nicht oder extrem eingeschränkt erlaubt sind.

Wir können ausserdem nur die Ware die wir noch auf Lager haben verkaufen, da wir nichts haben um in die fehlende Ware zu investieren.

Melli kann momentan nur alleine unter Hygieneschutzmassnahmen arbeiten, war unter diesen Auflagen auch mehr als schwierig wird:

– Ihr müsst vor dem Besuch schriftlich (Mail / online) oder telefonisch einen Tisch reservieren
– Vor Eintritt in der Bar müssen Ausweise kontrolliert, auf der Reservierungsliste abgeglichen und von Euch unterschrieben werden
– Um 22 Uhr muss die Bar wieder geschlossen sein
– Euren Mundschutz dürft ihr nur an Eurem Tisch absetzen, das Personal muss durchgehend Mundschutz tragen.
– Es dürfen nur Personen aus maximal 2 Haushalten zusammen an einem Tisch sitzen
– Nur Tischbedienung. Am Tresen darf nicht bedient werden. Wir müssten den Tresen komplett mit Plexiglas verkleiden um dort Sitzplätze zu schaffen, wofür wir auch wieder investieren müssten.
Auch dann muss garantiert sein , dass ein Mindestabstand von 1,5 Meter zwischen Personen eingehalten werden kann (dies ist nicht am kompletten Tresen möglich)
– Ihr könnt Euch nicht frei in der Bar bewegen , sondern müsst an Eurem Tisch sitzen bleiben, damit jeglicher Kontakt vermieden wird.
– Theoretisch müssten sogar die Toiletten kontrolliert werden (nur eine Person zur Zeit)
– Auch ausserhalb der Bar dürfen im Umkreis von 100 Metern keine Getränke oder Speisen verzehrt werden und niemand darf spontan die Bar betreten ohne vorab zu reservieren (also ein Tisch frei ist) , sich auszuweisen und zu registrieren
– Das macht es uns für den Vatertag auch mehr als schwierig : selbst wenn wir nur einen Ausserhausverkauf starten, da ihr Euch nicht draussen aufhalten dürft. Bedeutet : wir können Euch z.B. eine Flasche Bier rausbringen und dann müsst ihr aber auch gleich wieder gehen, keinenfalls Gruppenansammlungen! Nicht mal das benutzen der Toiletten ist erlaubt.
– Natürlich überall HygieneMassnahmen wie Desinfektionsmittel am Eingang, auf den Toiletten und auf jedem Tisch, sowie nach Möglichkeit ein separater Ein- und Ausgang damit niemand in Berührung kommt (Das wäre machbar)
– übermässiger Alkoholausschank ist verboten – DAS müsste dann auch erstmal klar definiert werden: 2 Bier, 3Bier,…? 1 Korn, 2 Korn,…??? Natürlich haben wir immer versucht darauf zu achten, dass niemand übermässig viel trinkt, aber wir finanzieren uns nun einmal ausschließlich mit dem Ausschank von Getränken und nicht wie andere zusätzlich mit Eintrittsgeldern o.ä.

Es wird Prüfungen geben und wir werden bei nicht Einhaltung haftbar gemacht, auch mit möglichen Geldstrafen.

Wenn wir einen Tisch am Abend vergeben, werden wir niemals Einnahmen haben wie z.B. ein Tisch mit Essen und Getränken im Restaurant, für die es auch schon mehr als schwer ist in dieser Zeit.
Wir könnten bei maximaler Auslastung und den Abstandsregelungen 8-10 Tische am Abend vergeben, dass bedeutet : wir können z.B. maximal 20 Gäste (á 2 Personen ) am Abend bewirten.

Dazu müssen wir dann auch die laufenden Kosten und zusätzlichen Mehrkosten bei Wiedereröffnung wie Plexiglasscheiben, Strom, neues Hygienematerial, wieder Anmeldung der Reinigung der Schankanlage, GEMA, GEZ, Müll etc., die Ware selbst und eigentlich benötigtes Personal gegen rechnen.

Und wenn wir das ganze hoch rechnen, ist klar das wir uns so nicht finanzieren können.

Ausserdem muss erstmal ein komplettes Hygienekonzept für die Bar entwickelt werden, für das ich die Auflagen erst gestern erhalten habe. Dieses muss dann vom Amt geprüft und frei gegeben und anschliessend vor Ort überprüft werden. Das wird im Laufe der nächsten Woche kaum komplett umgesetzt werden können und erst im Anschluss könnte ich entscheiden ob eine mögliche Öffnung überhaupt unter den geforderten Vorraussetzungen zu schaffen ist.

Manch einer mag Verurteilen das ich hier alles so offen lege, aber zum einen sind wir ein sehr familiärer Betrieb, auch gegenüber unseren Gästen und ich denke, es ist besser mit offen Karten zu spielen und wenigstens zu versuchen es euch zu erklären.

Es ist wie es ist: Wenn wir nicht möglichst bald eine Lösung in Form einer möglichen Finanzierung finden, stehen wir mit der NahBar nach 5 Jahren vor dem aus und niemanden macht das trauriger als mich selbst.

Ich hoffe es geht Euch allen gut und ihr könnt Verständnis für unsere aktuelle Lage aufbringen.

Alles Liebe , Melli und das NahBar-Team

PS: Einen großen extra liebevollen Dank an alle die uns in dieser Zeit noch zusätzlich unterstützen und versuchen zu helfen.

Zu meiner Rubrik „Rettet die Dorfkneipen“ eine kurze Zusammenfassung der neuen Regelungen für die Gastronomie . Diese Nachricht hat keinen vollen Anspruch auf Vollständigkeit. Das entscheidende Datum in SH ist der 18. Mai und betrifft auch Bars, Kneipen, Cafés ab 18.05.

Keine Quadratmeterbeschränkung. Es gilt die Abstandswahrung von 1,5 Meter und 2 Personen pro Tisch aus bis zu 2 Hausständen. Erforderlich sind Reservierungen mit namentlichen Registrierungen. Öffnungszeit bis 22 Uhr. Erlaubt sind nur Sitzplätze und nicht die Ausrichtung von Buffets. Für den Service besteht Maskenpflicht bei Bedienung und der Ausgabe von Speisen.

Die Öffnung von Diskotheken ist zum 18. Mai noch nicht gestattet.

Rettet die Dorfkneipen III

Pachtverzicht durch die Gemeinden wegen Corona-Schließung

Meine Aufforderung an die Bürgermeister und Gemeindevertreter/innen in Itzstedt und Nahe in den sozialen Medien hat große Resonanz gefunden: Es geht um Verzicht auf die Pacht in Zeiten der Corona-Schließung bei gemeindeeigenen gastronomischen Familienbetrieben. Das  Hellas, die Nahbar, der Croqueladen und die Dönerbude sind keine Immobilien der Gemeinde. Hier müssen andere Wege der Unterstützung gefunden werden. Der Außer-Haus-Verkauf und die Lieferung ist eine gute Eigeninitiative der Gaststätten als flexible Reaktion in dieser schwierigen Zeit.

Nur durch die  vorübergehenden Herabsetzung der Mehrwertsteuer ist der Gastronomie aktuell  nicht geholfen, weil in der Corona-Krise keine oder wenig Umsätze erzielt werden.

Auch die von mir benannten Gaststätten erfüllen soziale Aufgaben. Beschrieben wird das gut und einfach in Peter Alexanders „Die kleine Kneipe in unserer Straße, dort wo das Leben noch lebenswert ist“. Für viele einsame Menschen sind sie mehr als ein Treffpunkt – Familienersatz gegen die Einsamkeit. Diese Familienbetriebe verfügen oft nicht über große Rücklagenpolster. Wenn sie einmal geschlossen werden,  wird es sie so schnell nicht wieder geben. Beispiele von Kneipen, die einen Nachpächter oder Käufer suchen, gibt es im Kreis Segeberg sehr viele.

Der CDU Wirtschaftsrat hat für die Gastronomie hat als Weg einer vorsichtigen Lockerung  Mindestgastzahlen, eingeschränkte Öffnungszeiten und ein Ausschankverbot für Schnaps als Weg einer vorsichtigen Lockerung vorgeschlagen. Ein nachdenkenswerter Vorschlag. Den Betroffenen ist klar, dass es so schnell keine vollumfängliche Öffnung geben wird.

„Rettet die Dorfkneipen“ II – Juhls Gasthof in Itzstedt

Mein erster Blog von „Rettet die Dorfkneipen“ hatte eine Reichweite von über 2600 Leuten. Danke für das Interesse. – Mit Maske und Abstandswahrung habe ich gestern bei Kerstin in „Juhls Gasthof“ in Itzstedt einen Einhundert-Euro-Guthaben-Bierdeckel erworben. Wer 100 Euro Guthaben in einer Kneipe hat, wird nach Corona viele Freunde in der super renovierten Kneipe haben, habe ich mir gedacht.

Liebe FreundInnen und Freunde, vielleicht ist es ja auch eine Anregung für andere, sich über Facebook mit Kerstin und Schorsch in Verbindung zu setzen und einen Deckel für die Zeit danach zu erwerben. Kann ja auch gern ein kleinerer Betrag sein.  Es ist eine schwierige Zeit für die Familie. Kurz nachdem sie die Kneipe (es ist wirklich eine Kneipe) übernommen hatten, kam die Schließung wegen  Corona …und Bier vom Fass außer Haus geht nun mal nicht.

Wir sehen uns nach Corona.
Dann wird „Wer fährt?“ wieder unsere einzige Sorge sein.

Bleibt gesund
Vossi

„Rettet die Dorfkneipen“ I

Itzstedt-Nahe – Der Mobbser Club lebt. Ich habe meine alte Disco-Anlage nach mehr als 20 Jahren entstaubt und im schallisolierten Keller-Studio unter dem Newsroom aufgebaut. Plattenspieler, Mischer …alles funktioniert sofort. „Wenn alles vorbei ist“ möchte ich gern in Juhls Gasthof eine „Hurra wir leben noch Party“ mit dem Mobbser Club veranstalten. 2 Stunden Vinyl-Mucke als Tanzparty mit anschließenden „Weißt Du noch – Klönschnack – Tresenflashmob“.

„Rettet die Dorfkneipen“ war mal nur ein fröhlicher Spruch. Es ging darum, die Dorfkneipenszene auch gegen die Konkurrenz der subventionierten Dorfhäuser  zu unterstützen. Nun ist die Lage noch schwieriger geworden. – Die Bürgermeister/innen und Gemeindevertreter/innen sind nun aufgefordert, dort wo die Gemeinden selbst Verpächter sind, für die Zeit der Schließungen die Pacht zu erlassen. Das Leben muss bunt bleiben. Das lehrt uns schon die Fabel von der Grille und der Ameise.